Fantasygeschichte: Kayame das Fuchsmädchen

  • So ich poste schon mal einen ganz kleinen Teil meiner Fantasygeschichte hier rein. Leider hat sie noch keinen richtigen Namen, aber das stört hoffentlich keinen! Viel Spaß beim Lesen:



    Sie schlich langsam durch das Dickicht des Waldes. Der Mond schien klar und die Bäume warfen gruselige Schatten. Doch sie musste weiter, sonst würden die Verfolger sie bemerken. Ein leichter Wind wehte ihr durch die schwarzen langen Haare.
    „Wo kann das verfluchte Biest nur sein?“, rief ein Mann.
    „Komm Naro, lass uns weiter gehen, sie ist uns entwischt. Außerdem müssen wir vorsichtig sein, die Tiere des Waldes sind mit ihr im Bunde. Wir bitten die Königin um Erlaubnis den Wald zu roden.“
    Der eine Mann, der Naro hieß, nickte. Kayame atmete ganz langsam auf. Doch sie war erst in Sicherheit, wenn die beiden Soldaten nicht mehr zu hören waren. Es wurde dunkler, denn der Mond war zwischen den Wolken verschwunden. Sie zitterte, aber es war nicht wegen der Kälte, schließlich trug sie einen warmen weißen Pelz von einem Fuchs, sondern sie zitterte vor Angst. Tag und Nacht wurde sie verfolgt. Ständig musste sie auf der Hut sein. Denn einst war sie die Prinzessin des Landes der lachenden Sonne.


    Sie wurde in jungen Jahren von ihrer Mutter und ihrem Stiefvater verstoßen, da sie ein tiefes Mal am rechten Oberarm trug. Die Seherin des Dorfes, die zugleich die Mutter von ihrem Stiefvater war, sah in dem Mal ein böses Ohmen und meinte Kayame müsste umgebracht werden. So warfen sie das kleine Mädchen von einer Klippe. Alle dachten, dass sie durch den Sturz getötet worden sei, aber wie durch ein Wunder fiel sie in einen Fluss, wo sie an das Ufer des heiligen Waldes geschwemmt worden war und von den Tieren des Waldes gepflegt und groß gezogen wurde. Viele Jahre dachten die Menschen sie wäre tot, doch als ein Wanderer durch den Wald zog, entdeckte der Mann sie und berichtete der Königin von seiner Begegnung mit ihr. So ließ der Stiefvater viele Soldaten in den Wald ziehen, um die Prinzessin umbringen zu lassen. Kayame lebte bei den Füchsen. Tief im Walde war die Höhle der Füchse versteckt. Keiner der Menschen kannte sie und so war Kayame verborgen und sicher. Dennoch gaben die Menschen nicht auf, schließlich war die Prinzessin der Grund für das Austrocknen der Felder und für das Verdunsten der Seen und Flüssen, wie die Menschen meinten. Sie trug das böse Mal und solange sie nicht tot war, müssen viele andere Menschen sterben und an Hunger und Durst leiden. Kayame war gerade mal 5 Jahre alt gewesen, als dies alles geschah. Nun war es schon ein paar Jahre her und die Soldaten des Landes der lachenden Sonne suchten immer noch nach ihr. Inzwischen war Kayame 16 Jahre alt. Sie hatte nie die Erfahrung eine Begegnung mit einem netten Menschen gemacht und so hasste sie die Menschen. Der Wald war ihr zu Hause und die Füchse ihre Familie. Sie kannte nichts anderes mehr, denn sie hatte das Leben bei den Menschen vollkommen vergessen.


    Kayame schlich aus ihrem Versteck und ließ einen leisen Pfiff ertönen. Ein großer weißer Fuchs kam angelaufen. Er war viel größer als normale Füchse, doch es war kein Wunder, denn sie lebten im heiligen Wald. Dort war vieles anders. Sie streichelte ihn und flüsterte: „Mate, bring mich bitte zu unserer Höhle. Ich muss mit unserer Mutter sprechen.“
    Er nickte und Kayame stieg auf seinen Rücken. Der Mond wurde wieder sichtbar und erleuchtete den heiligen Wald. Mate rannte zu der Fuchshöhle, die in der Mitte des Waldes versteckt war. Als sie endlich die Höhle erreicht hatten, stieg Kayame ab und rannte zu einer Füchsin die auf einem erhöhten Felsen lag.
    „Mutter, sie haben schon wieder nach mir gesucht. Ich kann hier nicht mehr lange bleiben.“, sagte Kayame.
    Es ging ein leises Gemurmel durch die Reihen.
    „Warum musst du fort?“, fragte Daye, die Mutter von Mate, Maye und Kayame. Maye der ältere Bruder von Mate und Kayame sprach: „Meine allerwerteste Schwester, du musst nicht fort. Wir beschützen dich, was auch auf uns zukommen mag.“
    „Danke Maye! Aber diesmal kann mich keiner mehr beschützen, denn das ganze Leben des Waldes steht auf dem Spiel. Wenn ich hier bleibe, wird der heilige Wald untergehen.“, wiedersprach sie. Die Füchse sahen ratlos aus, denn sie wussten noch nicht, was dies alles zu bedeuten hatte, was das Fuchskind von sich gab.
    „Warum, mein Kind, musst du fort? Was hast du für eine Befürchtung?“, fragte Daye.
    Das Fuchskind grub sich in das Fell von Daye und fing an zu weinen.
    „Ach Mutter, es ist alles so schrecklich. Ich habe gehört, wie ein Soldat gesagt hat, dass sie den Wald roden wollen. Ich kann nicht mehr länger bleiben. Morgen vor Sonnenaufgang muss ich den Wald verlassen, zum Schutze dieses Waldes und den Tieren.“, schluchzte Kayame.
    Maye sprang auf. „Du willst uns wirklich verlassen?“
    „Ja, ich bin fest entschlossen und keiner kann mich aufhalten, auch nicht du, mein Bruder Maye.“
    „Wenn du entschlossen bist, werden wir wohl nichts mehr daran ändern können, jedoch du sollst nicht allein den heiligen Wald durchqueren. Du weißt, es lauern viele Gefahren, deshalb soll Mate, dein jüngerer Bruder dich begleiten.“, sagte Daye.
    Eine Zeit lang war es still. Es war keine Wolke mehr am Himmel zu erkennen und der Mond schien so hell er konnte. Dann durchbrach Kayame die Stille und flüsterte:
    „Nun werde ich mich schlafen legen, damit ich mich morgen früh auf den Weg machen kann. Zuerst muss ich mein Dorf durchreisen, damit sie wissen, dass ich nicht mehr im Wald lebe. So werden sie ihn in Frieden lassen und mich weiter verfolgen. Ich verabschiede mich jetzt von allen, denn morgen werde ich keine Zeit mehr dafür haben. Ich werde euch vermissen. Besonders dich, meine liebe Mutter. Du hast mich aufgezogen, obwohl ich ein Mensch bin. Dafür werde ich dir ewig danken. Auf Wiedersehen.“
    Kayame sprach das Wort „Mensch“ so hasserfüllt aus, wie es keiner der Tiere wagte. Maye ging langsam auf seine Schwester zu.
    „Hier, das sollst du haben zum Andenken an uns. Und wer weiß, vielleicht werden wir uns ja bald wiedersehen. Ich hoffe unser Bruder Mate wird gut auf dich aufpassen.“
    Er hatte in seinem Maul eine Kette mit einem wunderschönen Stein, der in einen Knochen eingearbeitet war. Kayame nahm die Kette aus seinem Maul und band sie sich um.
    „Danke. Aber ich bin nicht ganz allein mit Mate. Die anderen Tiere des Waldes stehen auf meiner Seite.“
    „Da hast du wohl recht, in diesem Teil des Waldes schon, aber in dem westlicheren Teil, wo du niemals zuvor gewesen bist, lauern Geschöpfe, die sehr gefährlich sind. Hüte dich!“, sagte Akan, der Älteste des Fuchsstammes.
    „Nun leg dich mit Mate schlafen, damit du morgen früh wegkommst. Je früher, desto besser.“, meinte Daye und gab Kayame eine weiße Fuchsfellmütze und einen spitzen Stein, der aussah wie ein Dolch. Der Dolch war mit blauer und roter Farbe verziert.
    „Du wirst die Sachen sicher gut gebrauchen können.“, sagte Akan.
    Kayame bedankte und verabschiedete sich. Als sie mit Mate auf dem Laub saß, dachte sie über die Menschen nach. Warum meinten die, dass das Mal am ihrem rechten Arm ein böses Ohmen wäre? Die Menschen suchten doch immer nur Ausreden für ihre Probleme. Und weil sie von der Normalität abweichte, war sie es gewesen, die verstoßen werden musste. Es war sicher ihre Bestimmung, dass sie überleben und bei den Tieren leben sollte. Aber warum sie?
    „Kayame? Bist du noch wach?“, fragte Mate leise.
    „Ja, ich muss noch über einige Dinge nachdenken und es lässt mir einfach keine Ruhe.“
    „Das kenn ich, aber leg dich jetzt schlafen. Du weißt ja, morgen wird ein anstrengender Tag.“, flüsterte Mate. Kayame nickte und legte sich wieder hin. Nach einer Zeit schliefen sie ein.

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  • Sie erwachte, als es noch dunkel war, doch es musste schon morgens sein, denn die Vögel zwitscherten schon. Kayame ging zu einem kleinen Bach, wo sie sich mit dem frischen kalten Wasser wusch. Danach zog sie ihr Hemd an, ihre kurze Hose, die Lederschuhe, die Fellstulpen und warf den weißen Fuchspelz über. Leise schlich sie zu Mate herüber.
    „Hey Mate, wach auf. Wir müssen los.“
    Mate schlug die Augen auf und räkelte sich.
    „Ist es denn schon so weit?“, fragte er.
    „Mhm. Lass uns los, bevor jemand bemerkt, dass wir schon fort sind. Wir haben keine Zeit zu verlieren.“
    Kayame hing ihre Kette um, setzte die Fuchsfellmütze auf und steckte den Dolch ein. Nun stieg sie auf den Rücken von Mate und sie schlichen davon. Es dämmerte langsam und sie spürten, dass viele Tiere aufwachten.
    „Mate, ich habe Angst. Was ist, wenn sie trotzdem den Wald abroden, obwohl ich nicht mehr hier im heiligen Wald bin?“
    „Mach dir keine Sorgen, es wird schon alles gut gehen.“, redete er ihr Mut zu.
    Der erste teil des Waldes war unkompliziert. Der Weg war flach und es waren kaum Wurzeln da, worüber man stolpern konnte. Bis auf drei Tieren kam ihnen keiner entgegen. Es war umso besser, wenn kaum welche wussten, dass sie auf dem Weg in den Westen waren. Denn im Westen des Waldes lauerten überall Gefahren und man konnte, nicht wie hier, die Wege benutzen ohne überfallen zu werden. Die Sonne ging langsam auf und Kayame zog ihren Pelz aus, damit sie sich auf dem Rücken von Mate sonnen konnte. Es war eine lange Reise in den westlichen Teil des Waldes, mindestens drei Tage Fußmarsch. Der tag zog sich langsam hin und Mittags machten die beiden Pause, um etwas zu essen. Mate fing ein Reh für sich und einen Hasen für Kayame. Mit einem gezieltem Messerstich brachte sie den Hasen um und aß ihn auf. Sie kannte nichts anderes außer rohem Fleisch, denn sie hatte schließlich sechs Jahre nichts mehr anderes gegessen. Nach der kurzem Rast ging es weiter bis es dunkel wurden. Am Abend suchten sie sich eine Stelle, die mit Gestrüpp verdeckt war und legten sich dort schlafen. Sie waren dicht aneinander gekuschelt, denn nachts wurde es sehr kalt. Der Himmel war von Sternen übersät und der Mond schien hell.
    „Ist der Himmel nicht schön?“, fragte Kayame.
    „Ja sehr schön sogar. Die Sterne sind alles kleine Sonnen. Es sieht so aus, als ob sie dem Mond dienen würden.“, antwortete Mate.
    Nach einer Weile wurde es still und die beiden schliefen ein. Plötzlich mitten in der Nacht wachte Kayame auf. Sie spürte, dass noch jemand in der Nähe war.
    „Mate, wach auf. Da ist etwas.“
    „Was denn...lass mich schlafen, da ist nichts.“
    Es huschte etwas zwischen den Bäumen her. Kayame rief:
    „Da! Ich hab etwas gesehen! Mate, wach auf, wir müssen weg.“
    Auf einmal war Mate hell wach. Er rappelte sich auf.
    „Da, ich hab es auch gesehen. Spring auf meinen Rücken!“, sagte Mate.
    Das ließ sich Kayame nicht zweimal sagen und sprang auf. Mate rannte so schnell er konnte. Hinter einem Gebüsch kamen die Verfolger zum Vorschein. Es waren drei Soldaten auf weißen Pferden. Mate lief so schnell er konnte und nach einer Zeit konnten die Verfolger mit ihren Pferden nicht mehr mithalten und ließen nach. Er hatte sie abgelenkt.
    „Zum Glück haben die Soldaten nicht mit ihren Gewehren geschossen, sonst wäre wir böse dran gewesen und gut, dass wir hinter dem Gestrüpp versteckt waren, sonst hätten sie uns wohl möglich sofort erwischt.“, lachte Mate.
    Doch Kayame sah gar nicht so fröhlich aus.
    „Ach wäre, hätte...ist doch jetzt egal, ich habe andere Probleme. Woher wussten sie, wo ich bin? Ich habe Angst, mein lieber Bruder. Verstehst du das? Ich kann das nicht mehr lange ertragen, dieses ständige fliehen. Du kannst mich nicht immer und ewig beschützen. Irgendwann musst du auch zurück zu unserer Familie.“
    „Ich werde dir immer folgen, wohin du auch gehst, Kayame. Du bist meine Schwester.“
    „Ich bin nicht deine Schwester. Du bist ein weißer Fuchs und ich bin ein...ein... ein ekelhafter Mensch! Ja genau das bin ich.“, schrie sie.
    „Du bist meine Schwester! Ich bin vielleicht ein Fuchs und du bist vielleicht ein Mensch, aber es kommt doch auf die inneren Werte an. Oder fühlst du dich wie ein Mensch?“
    „Nein, ich fühle mich wie ein Fuchs. Das ist es ja. Ich bin weder Mensch noch bin ich Fuchs. Ich bin ein Nichts.“, seufzte Kayame. Mate senkte seinen Kopf und flüsterte:
    „Das heißt wohl, du willst mich nicht länger bei dir haben?!“
    „Nein, nein! Versteh das bitte nicht falsch, Mate. Ich will, dass du bei mir bist, aber ich dachte, du willst nicht bei mir bleiben. Für mich bist du ein Bruder und die Füchse sind meine Familie. Doch ich kann nie so sein wie ihr.“
    „Das weiß ich doch, aber ich habe dir doch schon gesagt, für mich bist du meine Schwester und du wirst es auch für immer bleiben. Lass uns jetzt nicht mehr weiter darüber sprechen, sondern weitergehen. Schlafen können wir eh nicht mehr, das wäre jetzt viel zu gefährlich.“
    Kayame ritt schweigend auf Mates Rücken und der junge Fuchs sagte nur ab du zu etwas über die momentane Weglage. Nun war es schon ein Tag her, dass sie von ihrem Fuchsstamm fort waren. Es wurde wieder langsam morgen und es war noch ein weiter Weg bis in den westlichen Teil des Waldes. Sie kamen an vielen Bächen und Flüssen vorbei. Je weiter sie in Richtung Westen gingen, desto seltsamer wurde die Gegend. Die Bäume waren nicht mehr grün hier, sondern sie waren blau und viel prachtvoller als dort, wo sie mit ihrem Fuchsstamm lebten.
    „Schau, was für eine sonderbare Farbe die Bäume haben. Wie ist das bloß möglich?“, staunte Kayame.
    „Du vergisst, dass das ein heiliger Wald ist. Hier ist vieles anders. Es gibt wunderbare und prachtvolle Sachen, aber es gibt auch mysteriöse und grauenvolle Dinge. Deshalb ist es auch wichtig, dass wir immer zusammen bleiben. Der Westen ist sehr gefährlich für Menschen.“
    „Ja, aber wie kommen die Soldaten denn in den Wald? Sie gehen nicht durch den Westen, oder?“, fragte sie.
    „Sie gehen in den südlichen Teil des Waldes, denn du wohnst im Süden. Außerdem wissen sie ganz genau, dass der Westen tödlich für sie wäre.“, antwortete Mate.
    Kayame kam einen kalten Schauer über den Rücken.Sie verstand noch nicht recht und fragte weiter: „Warum gehen wir dann nicht auch im Süden aus dem Wald heraus?“
    „Ganz einfach, weil du sonst den Soldaten in das offene Messer rennst.“
    Daran hatte Kayame nicht gedacht. Es war klar, dass sie den Soldaten auf keinen Fall noch mal begegnen durfte. Es würde nämlich nicht immer so glimpflich für sie ausgehen, wie letzte Nacht. Mate trottete weiter und sie kamen an rosa Sträucher vorbei, an gelben Tannen und an noch mehr verwirrende Dingen. Kayame staunte immer wieder. Sie hatte sich schon daran gewöhnt gehabt, dass es im Wald anders zulief, als in anderen Regionen, aber so etwas war für sie dennoch neu. Nach einer halben Stunde machten sie wieder einmal Rast um etwas Nahrung zu sich zu nehmen. Diesmal gab es rohen Fisch, denn ganz in der Nähe war ein kleiner Fluss gewesen. Der Fluss hatte eine rötliche Farbe.

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  • Das Wasser des Flusses sieht so aus, als ob es Wein wäre.“
    Kayame trank einen Schluck von diesem rotem Wasser. Ihre Augen wurden größer und sie strahlte.
    „Mate, das ist Wein. Probiere es einmal.“, rief sie.
    „Nein danke, Füchse trinken am liebsten Wasser und keinen Wein.“
    Doch Kayame drängte ihn so lange, bis er einen Schluck Wasser- Wein trank. Nachdem sie sich gestärkt hatten, gingen sie weiter. Kayame ging neben Mate her, denn sie war davon überzeugt, dass er sich einmal ausruhen müsste. Plötzlich jaulte Mate auf und fiel zu Boden.
    „Was ist? Hast du Schmerzen?“; fragte Kayame besorgt.
    „Mein Magen! Ich spüre meine Tatzen kaum noch. Hilf mir, Schwester.“
    Mate lag schweißgebadet auf dem Boden. Kayame lief zu dem Fluss und tränkte ihr Hemd darin ein. Dann lief sie zu Mate zurück und benetzte mit dem Wasser seine Stirn.
    „Was soll ich bloß tun? Wie kann ich Hilfe holen?“, verzweifelte Kayame.
    Da kam ihr eine Idee. Sie Pfiff laut und nach einer Weile kam ein Tier vorbei. Es war ein Wolf.
    „Was gibt es, Kayame? Ist etwas geschehen?“, fragte der Wolf.
    Kayame riss die Augen auf.
    „Ach Liyu! Was machst du denn hier in der Gegend? Wohnst du nicht auch im Süden?“, fragte sie.
    Liyu näherte sich Mate und schaute ihn untersuchend an.
    „Eigentlich schon, aber ich habe Gerüchte gehört, dass der südliche Teil des Waldes bald gerodet werden soll und weil ich direkt in der Spitze des Südens wohne, besuche ich meine Verwandten.“, antwortete er.
    Kayame konnte nicht fassen, was sie gerade hörte.
    „Dann haben wir kaum noch Zeit. Ich muss endlich mein Dorf erreichen, aber das braucht nun mal seine Zeit. Ich hoffe, dass es ein wenig dauert, bis sie anfangen den Wald zu roden. Denn die Soldaten, die Mate und ich gestern getroffen haben, werden meiner Mutter, der Königin, bestimmt von mir berichten, dass ich mich momentan im Südwesten aufhalte. Das könnte eine Chance sein.“
    „Oh, das sieht nicht gut aus, dein Bruder scheint eine Magenverstimmung zu haben. Was hat er gegessen? Hier darf man nicht alles essen und trinken, was einem in die Quere kommt, denn vieles davon ist giftig.“
    „Er hat von dem Fluss hier in der Nähe getrunken.“, sagte das Fuchskind.
    „Dann braucht er schnell ein paar Kräuter, sonst wird er sterben. Du musst eine lila Pflanze suchen. Sie heißt Makatenstängel. Diese pflückst du ab und zerreibst sie zu einem Pulver. Dann kannst du ihm die Medizin geben.“, erklärte Liyu.
    „Danke, aber wie erkenne ich die Pflanze, außer dass sie lila ist? Und wo finde ich sie?“
    Liyu antwortete: „Sie gibt es, nicht weit von hier entfernt. Es sind nur ein paar Meter. Du erkennst sie ganz leicht. Sie sagen: „Ich bin eine Makate!“. Ich würde dich ja gerne dorthin führen, aber ich muss so schnell wie es geht weiter.“
    Kayame bedankte sich bei dem Freund. Dann zog sie Mate unter einen großen Strauch, damit er vor Feinden geschützt war.
    „Ich muss jetzt los. Bleibe ganz ruhig hier liegen und bewege dich so wenig wie möglich. Ich bin bald wieder da und dann bringe ich dir die Medizin mit.“, flüsterte sie und ging fort.
    Sie musste aufpassen und ging vorsichtshalber nicht auf dem Weg, sondern im Gestrüpp daneben. Nach kurzer Zeit hörte sie Stimmen. Ganz ruhig legte sie sich auf den Bauch und hörte ihnen zu. Es waren zwei Männer und vermutlich Soldaten. Der eine Soldat sprach unverständlich, der andere sagte: „Der Wald ist seltsam, nicht wahr? Es gibt viele Verstecke, aber sie wurde trotzdem von einem Soldaten gesichtet. Sie war in Richtung Westen unterwegs. Jetzt müssen wir mit dem Roden des südlichen Teils warten, denn vielleicht kommt die Prinzessin nicht wieder in den Süden zurück und unnütz den heiligen Wald abroden ist keine gute Idee.“
    Nun meldete sich der andere Mann auch zu Wort: „Warum denn das?“
    „Der Wald heißt sicher nicht umsonst „der heilige Wald“ und wer weiß, was passieren würde, wenn wir den Wald wegroden.“, antwortete wieder der Andere.
    „Was kann schon passieren, wenn man ein paar Bäum wegbrennt?“
    „Ich würde vorsichtig sein. In diesem Wald ist vieles anders. Nicht nur die Farben, sondern es gibt seltsame Wesen. Ich habe von Leuten gehört, die in den westlichen Teil des Waldes gewandert und nie wieder zurück gekehrt sind. Außerdem sagt man, der Wald hätte gewaltige Kräfte. Man kann die Kraft förmlich riechen.“, erklärte der Soldat.
    „Aha, wenn du meinst, ich glaube nicht an so etwas. Lasst uns weiter gehen.“
    Kayame hatte ihnen gespannt zugehört. Zuerst hatten die Männer über sie geredet. Zum Glück, jetzt werden sie wohl wahrscheinlich mit dem Roden des Waldes warten, solange sie nicht den festen Standort von ihr wussten. Erleichtert atmete sie auf, als die beiden Soldaten verschwunden waren. Vorsichtig schlich sie weiter durch das Gestrüpp.
    „Hier in der Nähe müssen die Pflanzen doch sein.“, flüsterte sie leise vor sich her.
    Auf einmal hörte sie eine piepsige Stimme hinter ihr sagen: „Ich bin eine Makate.“
    Sie drehte sich um und... endlich, sie hatte die Pflanzen gefunden. Sie brach einen Stängel ab und zerrieb ihn an einem Stein. Dann nahm sie einen Beutel und tat das Pulver hinein. Vorsichtshalber nahm sie noch ein paar Stängel mit. Auf Zehenspitzen schlich sie sich wieder zurück. Es dauerte nicht lange, da war sie wieder bei ihrem Bruder.
    „Hier, iss das, dann geht es dir wieder besser. Wie konnte ich dich bloß überreden aus dem Fluss zu trinken? Das war töricht von mir. Ich hätte deine Entscheidung akzeptieren sollen.“, sagte Kayame.
    „Ist schon gut, du konntest nicht wissen, dass das Wasser für uns Tiere giftig ist. Selbst ich wusste es nicht, obwohl ich schon lange in diesem Wald wohne.“, flüsterte Mate.
    Kayame erzählte dem Fuchs, was sie von den zwei Soldaten gehört hatte. Wenigstens das schien Mate aufzumuntern. Die Medizin half sofort und Mate war wieder wohl auf. Es war Abend geworden und die beiden rollten sich wieder dicht aneinander gekuschelt zum Schlafen unter dem Gestrüpp zusammen. Am nächsten Morgen wollten sie ihre Reise fortsetzten.

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